Die erste Langdistanz ist geschafft! Freude, Leiden, Lehren.
16:12 Uhr war es, als ich am 4. Juli in Klagenfurt bei meiner ersten Langdistanz ins Ziel kam… Und um 7 Uhr hat sie begonnen, die Zeit der Freude, des Leidens und der Lehren.
Ich habe mich für den Ironman in Klagenfurt entschieden wegen seiner genialen 3,8km langen Schwimmstrecke im türkisfarbenen Wörthersee mit den letzten 800m in einem engen von Zuschauern flankierten Kanal und der leicht hügeligen aber dennoch angenehmen, landschaftlich schönen 180km langen Radstrecke. Daher freute ich mich riesig auf den Event und die Form passte zu 100% auf den Tag X!
Der Massenstart der rund 2300 Athleten verlief überraschend entspannt und die anschließenden 3km bis zum Kanal konnte man ohne Probleme in seinem Wohlfühltempo zurücklegen. Als es dann enger wurde im Kanal gab es natürlich mehr Berührungen, aber alles blieb fair… So schön dieser Schwimmabschnitt auch war, Nachteil war, dass man in der Position in der man in den Kanal einbog für 800m gefangen war, da ein überholen nicht möglich war. Doch so schwamm ich wenigstens nicht über meinem Limit und kam mit einer noch zufriedenstellenden Schwimmzeit von 59min aus dem Wasser.
Hoch motiviert stieg ich auf mein mit Verpflegung präpariertes Rad und drückte vom ersten Meter ordentlich aufs Tempo… Da ich mit 59min leider ja doch eher nicht weit vorne war, musste ich nun mehr oder wenige größere Radpulks überholen, was angesichts der Kampfrichter neben mir immer ein Risiko war, wegen Windschattenverbot. Doch ich hielt mich an die 10m Abstand zum Vordermann, denn das Schlimmste für mich wäre eine Zeitstrafe gewesen. Doch schon bei km 10 passierte es, als ich gerade eine größere Gruppe einsammelte:
„Schwarze Karte“ = 6min Zeitstrafe!!!! Hä???????? Ich verstand die Welt nicht mehr! Der Kampfrichter gab mir eine Strafe dafür, dass ich jemanden der bereits überholt, überholt habe und das ist verboten. All mein flehen, zu einem, dass es anders hier ja nicht geht und dass man das in der Wettkampfbesprechung nicht mitgeteilt habe halfen nichts und ich wollte auch nicht noch eine Strafe wegen meckern. Aber wirklich, ich wusste nicht dass man das nicht darf! Und was eben dann noch mehr weh tut ist, wenn man den Rest des Rennens über dutzend andere Leute sieht die in dritter oder gar vierter Reihe überholen.
Na gut. Mit Wut und Frust nahm ich die Strafe an und wusste, dass ich nun zwar ein Handicap habe aber das Rennen noch nicht „ganz“ verloren war. Wohl wissend, dass ich ja nun bald 6min Pause am Straßenrand im Penalty-Zelt haben werde, fuhr ich wie der Teufel bis dahin, um wenigsten bis dahin wieder ein wenig Zeit gut zu machen. Naja, dass dieses Zelt aber erst in ca. 50km kommen würde war mir auch nicht ganz klar und so wurde dieser rasante Abschnitt doch ein wenig zu lang und habe wohl somit ein wenig überzogen. Nach der Strafe fuhr ich ein wenig langsamer weiter, aber dennoch mit Frust im Bauch. Das unrhythmische Fahren bereute ich, als dann nach 140km langsam der Ofen aus war und ich noch hoffen konnte ordentlich in die zweite Wechselzone zu kommen. Dann kam aber noch der Hammer, als sich auf den letzten 10km eine ca. 30 köpfige Gruppe formierte und man einfach nicht voran kam, weil überholen unmöglich war. Hier bewiesen die Kampfrichter mal wieder volles Talent und Sportverständnis, als sie „wahllos!“ schwarze Karten in dieser Gruppe verteilten. Ich hielt mich mit Respektabstand dahinter auf und Athleten die von hinten auf uns auffuhren sagte ich nur „fahr da blos nicht rein, da bekommst du nur eine Karte“. So ging es dann bis zur Wechselzone am Strandbad in Klagenfurt.
Das Rad abgestellt und Laufschuhe angezogen, ging es dann auf die abschließende Marathonstrecke.
Noch frustriert von der Zeitstrafe und dem Rennverlauf auf der Radstrecke konnte ich mich nicht zurückhalten und lief die ersten 5km unter 18min an. Ich fühlte mich auch gut und erreicht dann so bei km 6 meine Reisegeschwindigkeit. Wohl wissend, dass man sich gut verpflegen muss, hielt ich bei jeder Verpflegungsstation kurz an, um auch wirklich genug zu trinken und kurz was zu essen. Ich war echt überrascht, dass das Laufen selbst nach 3,8km im Wasser und 180km auf dem Rad noch so leicht fallen kann. Bei km 25 bekam ich dann die Quittung, dass der erste Halbmarathonabschnitt in 1:25h etwas zu schnell war. Ich bekam so Heißhunger, dass ich an nun jeder zweiten bis dritten Verpflegungsstation nahezu das komplette Orangentablett leer futterte. Und auch mit dem Kilometerschnitt ging es allmählich Richtung 5min. Doch den totalen Zusammenbruch bekam ich zum Glück nicht. Ich konnte auch nicht wirklich noch Gels oder ähnliches anderes essen, da mir das süße Zeug nach 8h zum Hals raus hing!!! Das weiß ich auf jeden Fall für meine nächste Langdistanz, dass ich irgendetwas Herzhaftes mit aufs Rad nehmen muss…
Nach 9:12,44h konnte ich dann die letzten 100m im Zielbereich genießen und mich endlich hinsetzen!!!!
Gelernt aus diesem Rennen habe ich, dass solch ein Rennen nicht im Augenblick entschieden wird sondern über die vollen 226km und man Geduld haben muss. Sonst bekommt man eine Zeitstrafe wegen zuviel Ehrgeiz oder läuft in Gefahr in eine Heißhungerphase zu kommen.
Ach ja noch was, zum Thema der Kompetenz der Kampfrichter:
Ich fragte meinen zur Sicherheit nochmals was die schwarze Karte bedeut (hoffte noch dass es nur eine „stopp and go“ Strafe wäre), da meinte er 4min. Ich dachte mir schon, hä? Und fragte nochmals. 4min sagte er. Ich konnte mich bei der Wettkampfvorbesprechung nur an 6minütige Zeitstrafen erinnern und war ein wenig verwirrt, hatte aber noch Hoffnung auf nur 4min. Tja, waren aber 6min Herr Kampfrichter!!! Und so einer Entscheidet über mein Rennen. xxxxx!
Nun gut, das nächste lange Rennen kommt bestimmt und vieles kann ich vielleicht ja schon bei der Duathlon Langdistanz WM (10/150/30) beim Powerman in Zofingen umsetzen… Mal sehen…
Bis dahin
Euer Stefan
Hier die Zwischenzeiten des Rennens (ironmalive.com):
BIB AGE STATE/COUNTRY PROFESSION
306 28 Tübingen GER Dipl. Biologe
SWIM BIKE RUN OVERALL RANK DIV.POS.
59:19 4:57:08 3:10:44 9:12:44 47 5
LEG DISTANCE PACE RANK DIV.POS.
TOTAL SWIM 3.8 km (59:19) 1:33/100m 133 16
BIKE SPLIT 1: 20km 20 km (33:07) 36.24 km/h
BIKE SPLIT 2: 32km 12 km (19:34) 36.80 km/h
BIKE SPLIT 3: 50km 18 km (28:24) 38.03 km/h
BIKE SPLIT 4: 61km 11 km (22:13) 35.11 km/h
BIKE SPLIT 5: 90km 29 km (43:45) 39.77 km/h
BIKE SPLIT 6: 110km 20 km (31:58) 37.54 km/h
BIKE SPLIT 7: 122km 12 km (19:38) 36.67 km/h
BIKE SPLIT 8: 140km 18 km (30:51) 35.01 km/h
BIKE SPLIT 9: 151km 11 km (18:04) 36.53 km/h
BIKE SPLIT 10: 179km 28 km (47:17) 35.53 km/h
BIKE SPLIT 11: 180km 1 km (2:17) 26.28 km/h
TOTAL BIKE 180 km (4:57:08) 36.35 km/h 110 21
RUN SPLIT 1: 1km 1 km (4:20) 4:20/km
RUN SPLIT 2: 6.2km 5.2 km (18:44) 3:36/km
RUN SPLIT 3: 12.1km 5.9 km (23:45) 4:01/km
RUN SPLIT 4: 16.3km 4.2 km (16:50) 4:00/km
RUN SPLIT 5: 20.5km 4.2 km (17:13) 4:05/km
RUN SPLIT 6: 21.5km 1 km (5:22) 5:22/km
RUN SPLIT 7: 26.7km 5.2 km (26:09) 5:01/km
RUN SPLIT 8: 32.6km 5.9 km (30:02) 5:05/km
RUN SPLIT 9: 36.8km 4.2 km (21:17) 5:04/km
RUN SPLIT 10: 41km 4.2 km (20:07) 4:47/km
RUN SPLIT 11: 42km 1 km (5:27) 5:27/km
RUN SPLIT 12: 42.1km 0.1 km (1:01)
RUN SPLIT 13: 42.2km 0.1 km (0:27) 4:30/km
TOTAL RUN 42.2 km (3:10:44) 4:31/km 47 5
TRANSITION TIME
T1: SWIM-TO-BIKE 2:43
T2: BIKE-TO-RUN 2:50
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